Gerifft, gerafft, gefaltet: Der Ringsling

Der Ringsling zählt zu den „Handtaschentragehilfen“ weil er kompakt ist und doch etwas technischer als das Tragetuch anmutet. Dabei ist er „nur“ ein Tuchstück mit zwei fest angenähten Ringen. Ich möchte euch in diesem Beitrag gar nicht zu sehr mit Lobhudelei auf den Ringsling aufhalten, es geht um ein ganz klitzekleines Detail, nämlich, wie die Ringe am Tuch befestigt sind.

Das Foto zeigt mich frontal von den Oberschenkeln aufwärts. Ich trage ein schlafendes Baby im Ringsling vor dem Bauch. Das Motiv darauf sind stilisierte Brüste in schwarz-weiß. Im Hintergrund sieht man Teile des Schlafzimmers in der Spiegeltür des Schrankes.

Wenn man die einfachste Variante betrachtet, dann kann man durchaus ein kurzes Tuch mit zwei losen Ringen zu einem „Ringsling“ umwandeln, in diesem Falle spricht man auch vom „no sew“ Ringsling, also nicht genäht. Ein kurzes Ende wird durch beide Ringe gefädelt und dann das Tuch doppellagig auf der Schulter platziert. Der Rest wird ganz normal gebunden. Das geht sehr fix und man kann, sofern man zwei Ringe und ein Tuch im Haus hat, ganz unverbindlich das Tragegefühl eines Ringslings testen.

Die meisten Ringslings (oder kurz „Slings“, was international aber auch als Tragetuch im Allgemeinen verstanden wird) werden gerafft vernäht angeboten, das Tuchstück ist also einfach durchgefädelt und dann wieder über die ganze Breite angenäht (englisch: gathered). So verteilt es sich auf der Schulter gleichmäßig und liegt sehr breit auf. Es bedarf oft ein wenig Übung und Fummelei, bis man eine optimale Verteilung des Stoffes auf der Schulter gefunden hat. Ich persönlich mag nicht zu viel Material am Hals und am Oberarm, also schiebe ich die Fältchen mehr zur Mitte. Solche speziellen Vorlieben greifen die gefaltet vernähten Ringslings auf, hier ist das Tuch nicht gleichmäßig verteilt angenäht, sondern hat eine zusätzliche Faltung.

Damit es nicht zu übersichtlich wird, haben die unterschiedlichen Hersteller von Tragetüchern auch hier verschiedene Techniken, wie sie das Tuchstück an den Ringen falten. Das ist dann aber nicht nur eine optische Sache, die verschiedenen Faltungen liegen auch anders auf der Schulter auf. Je nachdem, wie stark die Faltung ist, kann dieser Teil steifer und unflexibler sein, was, wenn es zur Körperform passt, sehr aufgeräumt und bequem ist. Wenn es nicht zur Körperform passt, ist es eben nur aufgeräumt. Wer den Ringsling zudem gerne gekippt trägt (das Tuch dreht auf dem Rücken um 180°), kann je nach Positionierung der Ringe dabei auch in die Faltung hineingeraten und hat ein Geknubbel am Buckel. Darum ist für die Beratung oder den Erstversuch der geraffte Ringsling meist der beste Kandidat, denn der bietet die volle Freiheit des Tuchverlaufs.

Das Bild unten zeigt vier von vielen Möglichkeiten, wie das Tuch mit den Ringen verbunden sein kann: Wir haben in Regenbogenfarben einen gerafften Ringsling von Little Frog. Schon in den Ringen kann das Tuch breit verteilt werden, es liegt wie eine Ziehharmonika gefaltet darin. Das schottisch anmutende Tuch mit den Karos kommt von Lenny Lamb. Die Faltung ist nicht symmetrisch, dafür aber recht gleichmäßig verteilt. Der eigentliche Schotte von Oscha in lila-blau ist in der „Highland Pleated“ Faltung vernäht, bei der von den Außenseiten kommend gebündelt wird. Und schließlich seht ihr die Scherenfaltung von Didymos mit den grauen Ellipsen, bei der es erst einen geraden Abstandshalter gibt, bevor das Tuch im Zickzack auffaltet. Häufig trifft man auch auf Hybride, bei denen der Mittelteil an den Ringen gerafft ist und nur die Außenseiten gefaltet werden (nicht abgebildet).

Die Collage zeigt vier verschiedene Möglichkeiten, wie die Ringe am Tuch befestigt sein können. Die geraffte Variante ist am breitesten auffächerbar. Je nach Faltung wird die Anschlussstelle an den Ringen immer schmaler.

Aber auch gerafft genähte Ringslings liegen nicht alle gleich auf der Schulter. Manche Hersteller nähen recht knapp nach den Ringen fest, andere lassen etwas mehr Spielraum, und so hat man durchaus beim einen eine doppelte Lage Tuch auf der Schulter, beim anderen nur eine Lage. Was einem da bequemer ist, lässt sich nur im Eigenversuch herausfinden!

Das Foto zeigt fünf verschiedene Ringslings auf dem Boden liegend.

Auf dem Bild seht ihr wieder den regenbogenfarbenen Sling von Little Frog mit eher großzügigem Tuchverbrauch, darüber mit den grauen Pusteblumen ein Exemplar von Hoppediz, bei dem das Tuch sehr knapp nach den Ringen angenäht ist.

Ich habe mir zur Veranschaulichung alle Ringslings einmal übergeworfen. Wo genau die Faltung am Rücken endet, liegt an der Positionierung der Ringe und natürlich auch am Körperbau. Aber dass auch die Art der Faltung einen Unterschied macht, kann man gut erahnen.

Die Collage zeigt mich mit vier verschiedenen Ringslings an der Schulter aufgelegt. Die geraffte Variante kann sehr breit auffächern, die gefalteten sind oberhalb der Brust schmaler ausfallend.

Neben den Unterschieden bei der Verarbeitung an den Ringen haben wir beim Ringsling wie auch bei den Tüchern die verschiedenen Tuchbreiten, Längen, Webarten, verwendete Materialien und nicht zuletzt verschiedene Möglichkeiten zu binden, die einem liegen können oder eben nicht. Aber darüber schreibe ich ein anderes Mal!

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